Über die Elstermühlen

In früheren Zeiten standen nur Wind, Wasser und Holz für die Energiegewinnung zur Verfügung. Um die Rechte zur Nutzung des Wassers wurde beständig gerungen; Müller, die anderen das Wasser abgruben, wurden hart bestraft. In unserer flachen Landschaft war der Wasserstand - also die zur Verfügung stehende Stauhöhe jeder Mühle von etwa 1 ½ m - streng geregelt und von den konkurrierenden Müllern argwöhnisch beobachtet. Andererseits waren für den Schutz vor Hochwasser technische Maßnahmen vorgeschrieben. Der Bau des Luppekanals ab 1934 bis 1958 ist sowohl für die verfügbare Wassermenge der Elstermühlen als auch durch die Absenkung des Grundwassers für den Auewald nicht förderlich gewesen. Auch heute noch würde die Elster über 50 Badewannen in einer Sekunde füllen können.

Mittelalterliche Wassermühlen unserer Gegend bestanden meist aus Mühlengebäude und Wohngebäude, später kamen oft noch große Speicher hinzu. Da bis Anfang des 20. Jahrhunderts wenig Veränderungen erfolgten, kann man sich am Beispiel der Gohliser Wassermühle (am Zusammenfluß von Rietzschke und der Pleiße, jetzt Parthe) ein Bild von solchen Mühlen machen. Das Wasser trieb in diesen unterschlächtigen Mühlen wegen der geringen Wasserhöhe das mit Holzschaufeln bestückte breite Mühlrad von unten an. Bei größeren Flüssen waren sowohl mehrere Wasserräder hintereinander als auch nebeneinander möglich . Die Mühle Stahmeln ist auf einem Prospekt nach einem alten Stich zu sehen.

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Mühle Lützschena 1793


Mühle Stahmeln 1893

An der Elster sind in Wahren, Stahmeln, Lützschena, Hänichen, Altscherbitz und Schkeuditz seit alters her Wassermühlen. Kenntlich sind Mühlenstandorte durch eine Insel zwischen Fluß und Überwurfgraben, die auch bei stillgelegten Mühlen meist bestehen bleibt. Um die Jahrhundertwende wurden die Holzräder der Mühlen nach und nach durch Wasserturbinen ersetzt. Diese sind stabiler, bieten eine gute Ausnutzung der Wasserkraft und sind schwankenden Wassermengen besser anzupassen. Erfreulicherweise ist die Anlage in Stahmeln noch im Betrieb, in Lützschena ist sie verpachtet und wird in mühsamer Arbeit vom Pächter rekonstruiert. Die Turbinen in Hänichen sollen saniert werden, die anderen sind stillgelegt.

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Mühle Wahren

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Mühle Altscherbitz

Das Kraftwerk Lützschena wurde 1905 erbaut, von den drei Turbinen sind zwei gleich. Der Standort entspricht nicht dem der ehemaligen Mühle, welche jetzt ein Wohnhaus ist. Schloßkirche und Mühle trennte früher ein Wassergraben, der auch eine Ölmühle antrieb und in den 20-er Jahren zugeschüttet wurde. Zur Zeit ist das Schachtwasser abgesenkt , das mittlere Laufrad angehoben und von der Schloßbrücke aus gut sichtbar.

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Leitrad Kraftwerk Lützschena

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Laufrad nach Francis von 1916

Die bevorzugte Bauart bei den geringen Wasserhöhen waren Schacht-Turbinen mit stehender Achse nach Francis. Im angestauten Wasser (dem Schacht) befindet sich ein runder Käfig mit Leitschaufeln, darin dreht sich durch die Kraft des Wassers ein Laufrad mit starren Schaufeln und geringer Drehzahl (z.B. in Stahmeln je zwei Turbinen 35 mal je Minute). Die Leitschaufeln können zur Leistungsanpassung beweglich sein. Die Übertragung auf die nachgeordneten Verbraucher erfolgte mechanisch über Transmissionen, meist mit Erhöhung der Drehzahl verbunden. Zwei eindrucksvolle Kegel-Getriebe mit gegossenen Rädern und Holzzähnen sind in Lützschena erhalten. In Stahmeln baute man 1993/94 Ganzmetall-Getriebe und angeflanschte Generatoren ein (siehe Bild). Bei einem Neubau würde man wahrscheinlich Rohrturbinen nach Kaplan mit beweglichen Laufschaufeln verwenden.


riesiges Kegelgetriebe Lützschena

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Getriebe und Generator Stahmeln mit Stellzylinder

Bei ausreichender Wassermenge leistet eine Turbine in Stahmeln etwa 75 kW. Im Vergleich zu einem gleichstarken Auto-Benzinmotor sind zwar wesentlich mehr Metall, ein größerer Raum und hohe Errichtungskosten erforderlich, dafür steht das Wasser als erneuerbare Energie ohne Umweltbelastung zur Verfügung. Für Fische ist an den Wehren eine Passiermöglichkeit zu schaffen.

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Schema einer Francisturbine im Flachwasser

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Turbinenhaus Hänichen

Zum Schutz vor Fischen und Treibgut ist vor der Turbine immer ein Gitter, das ständig gereinigt werden muss. Über Ketten, wie in Lützschena oder hydraulisch, wie in Stahmeln, werden die Reinigungsgeräte bewegt. Daneben existieren bewegliche Wehre zur Ableitung überschüssigen Wassers in einen Nebenkanal (siehe z.B. in Hänichen) und feste Wehre (in den Überwurfgraben als Umgehung um die Mühle) zur Gewährleistung der unteren Wasserhöhe der im Flusse vorher liegenden Mühle. In Lützschena gibt es noch ein Notwehr, das bei Hochwasser auch den Schacht entlastet.

Für die Energieerzeugung sind Wassermühlen beeindruckende Beispiele früher technischer Entwicklung und werden im Rahmen ökologischer Anforderungen wieder mehr Beachtung finden und an heutige Bedingungen angepasst. So können vom Jahresbedarf in Stahmeln umgerechnet einige Monate durch Eigenerzeugung von Energie gedeckt werden. Für die freundliche Unterstützung bei den Recherchen und Überlassung von Informationsmaterial bedanke ich mich besonders bei den Besitzern und Betreibern der Mühlen Stahmeln und Lützschena.

Text und Bilder: R. Pietag
Quellen: Prospekt Mühle Stahmeln; Neue Ufer 3; Wasserkraftanlagen S.O.Pálffy


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