Die verschlungenen Wege der Luppe

Geht man vom Lützschenaer Schloß nach Böhlitz-Ehrenberg zum Forstweg, so überquert man zuerst die Elster auf einer neuen Holz-Brücke mit Blick zum ehemaligen Wasserkraftwerk. Gleich darauf läuft man auf einer ebenfalls neuen Brücke über das sogenannte Hundewasser, welches eigentlich Hinterwasser heißt. Nun geht es über eine Betonbrücke über die Neue Luppe, dieser kanalartige Graben aus den 30-er Jahren wird meist nur Luppe genannt. Nach der Gasstation liegt rechts die Rote Luppe, diese überqueren wir später im Walde und können die Farbe der Ablagerungen im Wasser erkennen. Dazwischen sehen wir rechts am Waldrand einen Graben, der dem Verlauf der Roten Luppe folgt. Kurz vor den ersten Häusern im Forstweg kommen wir noch über die Alte Luppe. Wenn man weiß, daß es noch eine Große und Kleine Luppe gibt, kann man verstehen, daß mich die verschlungenen Wege der Luppe näher interessierten.

Karte der Elster-Luppe-Aue 1910-1940 Erläuterung zur Karte:

AL = Alte Luppe
NL= Neue Luppe = Luppe-Kanal = Luppe
KL = Kleine Luppe
GL = Große Luppe
RL = Rote Luppe
BG = Bauerngraben
Na = Nahle
WE = westliche Elster
AS = Auensee
HW = Hinterwasser = Hundewasser

 

Abzweig der Luppe von der Elster am Klingerweg
Abzweig der Luppe von der Elster
am Klingerweg

Gedenkstein: Elster-Luppe-Regelung 1934-1938
Gedenkstein: Elster-Luppe-Regelung 1934-1938

Die Elster-Luppe-Aue entstand in alten Zeiten aus den Verzweigungen der Elster. Die Altarme mündeten oft nach wenigen Kilometern wieder in den Hauptlauf, es handelt sich also um parallel verlaufende Flußläufe, die später einen eigenen Namen erhielten, der noch Änderungen unterlag. Noch um 1000 n.Chr. existierten eine östliche und eine westliche Elster, etwa zu beiden Seiten des heutigen Elsterflutbeckens. Aus der westlichen Elster wurde in unserer Zeit die Kleine Luppe, noch weiter westlich verlief die Große Luppe, die eine eigenen Verlauf bis zur Saale hatte und sich dazwischen immer wieder aufspaltete. Der Austritt der Luppe aus der Elster ist noch heute oberhalb vom Wehr am Klingerweg sichtbar.

Der Bau des Elsterflutbeckens ab 1920 brachte wesentliche Veränderungen. Aus dem Becken laufen drei Flüsse, rechts die Elster, in der Mitte die später gegrabene Neue Luppe, jetzt Luppe genannt (siehe Gedenkstein an der Schkeuditz-Dölziger Straße) und links die Nahle, die teilweise dem Verlauf der Großen Luppe folgt und später in die Neue Luppe mündet (siehe Bild Mündung der Nahle in den Luppe-Kanal). Da die Große Luppe kurz vor dieser Mündung der Nahle abgeschlagen wurde, gelangt nur noch Öberflächen- Wasser in das alte Flußbett, das nun Alte Luppe genannt wird.

Mündung der Nahle in den Luppe-Kanal an der Gustav-Esche-Straße
Mündung der Nahle in den Luppe-Kanal an der Gustav-Esche-Straße

Folgt man dem Verlauf des genannten Wassers, so spaltet sich in der Nähe der Böhlitzer Kippe die Rote Luppe ab, umfließt den Gundorfer Schloßpark und vereinigt sich danach wieder mit ihm. Ein richtiger Bach ist es nicht mehr, nur Grundwasser steht an. Nachdem spaltete sich von dieser Luppe noch ein Altwasser ab, das schon früher Alte Luppe genannt wurde und sich bei Maßlau wieder mit ihr vereinigte. Nach Bau des Luppe-Kanals fiel diese Alte Luppe fast trocken, ist aber in Restlöchern rechts des Luppe-Kanals im Wald noch sichtbar (hinter der Brücke zur Domholzschänke). Die Luppe floß als Verlängerung des Kanals im alten Bett weiter.

Gedenkstein: Bau der Elsterflutrinne Autobahn-Collenbey 1960-1968
Gedenkstein: Bau der Elsterflutrinne
Autobahn-Collenbey 1960-1968

Anfang der 60-er Jahre verlängerte man den Luppe-Kanal, vereinigte ihn hinter der Autobahn mit der Elster und führte die Elster als Kanal bis Collenbey weiter (siehe Genkstein an der Mündung, Bild rechts). Ursprünglich sollte der Luppe-Kanal wohl neben der Elster weiterlaufen, Baureste sind von der Autobahnbrücke aus zu sehen. Der alte Hauptlauf der Luppe zweigte hinter der Schkeuditz-Dölziger Straße vom Kanal ab, eine Staustufe im Kanal sollte die Wasserabgabe sichern (siehe Bild 5). Leider ist der Ablauf verschlammt und die Luppe führt nur noch Grundwasser und nimmt kleinere Bäche auf. Sie bietet einen traurigen Anblick in den dicht gedrängten Dörfern bis Merseburg. Der Merseburger Kohletagebau führte zudem zu Begradigungen und Umlegungen.

Staustufe des Luppe-Kanals hinter der Schkeuditz-Dölziger Straße
Staustufe des Luppe-Kanals
hinter der Schkeuditz-Dölziger Straße


Das oben erwähnte Hinterwasser spaltete sich in der Nähe des Auensees von der Elster ab und floß am Lützschenaer Schloß wieder in die Elster. Nach Abtrennung des Zuflusses beim Bau des Luppe-Kanals ist es ebenfalls kein fließendes, sondern nur noch stehendes Wasser. Hoffentlich wird im Zuge der Wiederbespannung der Schloßparkgewässer wieder ein Bach daraus.

Wie wir sahen, hat der Name Luppe Bestand und ist ebenso wie der Lauf des Wassers immer Veränderungen unterworfen worden.

Text und Bilder: R.Pietag

Empfehlenswerte Literatur:

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