Geschichte von Lützschena

Zusammengestellt von Horst Pawlitzky
Stand Februar 2005

Der aus dem Slawischen stammende Ortsname bedeutet "Leute die im Wiesenlande wohnen".

3000 - 2000 v.u.Z Für die Jungsteinzeit sind am Hochufer der Elster bei Hänichen erste Ansiedlungen durch den Fund von Steinbeilen nachgewiesen.
300 v.u.Z. Funde im Ortsteil Hänichen (bronzener Stierkopf, scheibengedrehter Topf aus der Latenézeit) belegen erneut Siedlungen an dieser Stelle.
100 Ein Gräberfeld der elbswebischen Germanen aus dem 1. - 2. Jhd. U.Z. (Latené-zeit) wird in Lützschena freigelegt und eine bronzene Tierfigur (Hirsch mit Apfel im Maul?) geborgen.
550 Sorben lassen sich während der Völkerwanderung von 550 - 600 in der Elsteraue nieder.
928 Nach dem Sieg Heinrich I. über die Sorben dringen Ritter aus Franken und Thüringen in das Sorbengebiet vor, dessen Teile ihnen zum Lehen gegeben werden. In Lützschena bekommt der deutsche Herr 1 Hufe Land = 24 sächsische Acker. Zur Verteidigung gegen die Ostkolonisation wird am Terrassenrand der Elster in Hänichen ein Ringwall gebaut.
Um 1000 Der Bau einer Kirche und die Anlage des Friedhofes in Hänichen wird vermutet.
12.05.1271 Hänichen und Quasnitz verkauft Markgraf Theoderich von Landsberg an den Merseburger Bischof Friedrich von Torgau. Hänichen wird als Gassendorf mit Kirche neu angelegt.
06.09.1278 Erste urkundliche Erwähnung von "Luzsene". Der Bischof Friedrich von Merseburg kauft den Ort für 80 Silbermark vom Markgrafen Dietrich von Landsberg.
1321 Die Kirche in Hänichen wird geweiht. Während der katholischen Zeit wurden in einer heute noch sichtbaren Nische die Hostien aufbewahrt.
1404 Wilhelm von Uechtritz, Sohn des Otto von Uechtritz auf Schwerdta (Oberlausitz) erwirbt das Rittergut Lützschena. Mit seiner Frau Magdalena von Lichtenhain hat er die Söhne Bernhard und Heinrich. Der Sohn Bernhard erwirbt Freiroda.
1450 Die Frau des Bernhard von Uechtritz, geb. Justine von Auleben, erbt die Güter in Lützschena und Freiroda. Ihr Sohn Heinrich heiratet die Anna von Dieskau auf Dieskau. Dieskau ist heute ein Ortsteil im Westen von Halle.
1494 Für die Hainkirche in Hänichen wird eine Glocke gegossen.
1519 Die romanische Saalkirche in Lützschena wird erweitert, eine Glocke wird für sie gegossen.
26.07.1537 Die Kirche in Hänichen, zu der auch das Dorf Quasnitz gehört, wird entsprechend einem Antrag des Gottfried von Uechtritz, der später zum protestantischen Glauben wechselte, mit der in Lützschena vereinigt. Das Recht zur Besetzung der Pfarr- und auch der Lehrerstelle wird wechselweise vom Rittergutsbesitzer und dem Pfarrer in Schkeuditz ausgeübt, denn beide gehören zum Amt Merseburg.
23.02.1547 Truppen des Kurfürsten Johann Friedrich von Sachsen verwüsten Lützschena, die Mühle brennt nieder.
1550 Margarethe von Haake aus Oberthau (westlich von Schkeuditz), Ehefrau des Andreas von Uechtritz (Sohn des Götz von Uechtritz) beruft Johannes Schreyer aus Oschatz als ersten protestantischen Pfarrer nach Lützschena.
1562 Im Ergebnis einer Kirchenvisitation wird angeordnet, daß der Pfarrer in Lützschena und der Küster in Hänichen wohnen sollen.
1624 1841 reichen die Kirchenrechnungsbücher Hänichens bis dahin zurück.
1631 Im 30jährigen Krieg nach der Schlacht bei Breitenfeld werden der Ort und das Schloß geplündert.
1633 Der Sohn des Andreas von Uechtritz Bernhard wird genannt. Kroatische Truppen plündern Lützschena. Bis in dieses Jahr reichen die Kirchenrechnungsbücher zurück.
1661 Pfarrer Valentin Brock beginnt Tauf- und Sterberegister zu führen. Als Müllermeister wird Paul Trummer genannt.
1666 Rudolph von Uechtritz, gestorben 1685, wird genannt. Er ist verheiratet mit Sibylle Magdalena von Zschepplitz aus dem Hause Domsen.
1695 Mühle in Lützschena urkundlich nachgewiesen. 1823 wird sie auf Veranlassung von Maximilian Speck repariert.
23.08.1706 Die Schweden fallen ein. Deshalb erhält die am 20. August verstorbene Frederica A. von Uechtritz keine Leichenrede.
1717 Der beim Hufschmied ausgebrochene Brand vernichtet die Pfarrerwohnung, die Kirche brennt aus. Eine neue Dorfschmiede wird gebaut. Nach sechs Jahren Streit kommt die Pfarre nicht nach Hänichen, sondern bleibt in Lützschena. Der Turm der Kirche, der bei dem Brand beschädigt worden sein soll, trägt bis 1847 einen Knopf aus Kupfer.
1725 Die neue Pfarrerwohnung samt Ställen wird fertiggestellt.
1733 Die Hälfte des Dorfes Quasnitz fällt einem Brand zum Opfer.
13.02.1736 In Hänichen brennt das Schulgebäude ab.
1740 Von den Herren Hommel und Herbst (Besitzer der Mühle in Hänichen) aus Leipzig stiften eine neue Orgel für die Kirche in Hänichen und lassen diese auch ausmalen.
1744 Als Besitzer des Gutes wird Joseph Jedidja von Uechtritz genannt.
1745 Der Hänicher Kirchturm wird repariert.
1750 Lützschena zählt 15 Besitzende und einige Häusler. Fast jährlich kommt es im Frühjahr zu Überschwemmungen durch Elster und Luppe.
1753 Inschrift an der Schmiede am Bauernsteg.
1756 Seit dieser Zeit gibt es eine Brauerei auf dem Rittergut Lützschena.
1772 Ein Hochwasser der Elster überflutet den Damm, so daß große Teile von Quasnitz Schaden erleiden.
1781 Das herrschaftliche Leichengewölbe an der Nordseite der Lützschenaer Kirche wird erweitert.
1785 Die Gutsbrauerei Lützschena erhält das Privileg, Bier in Leipzig verkaufen zu dürfen.
1791 Die Schule in Hänichen samt Holzstall wird neu gebaut. Bis 1876 war der Backofen im Schulzimmer.
1793 Maximiliane Ernestine Sophie von Klengel, geborene von Uechtritz, erbt zusammen mit ihrer Mutter Wilhelmine Eleonora von Uechtritz das Rittergut Lützschena.
1796-1800 Der Müller Friedrich Küttner erbaut das Mühlengut neu. Es entsteht das barocke Mühlengebäude hinter der Kirche, heute leider in desolatem Zustand.
1799 Eine große Überschwemmung sucht Lützschena heim.
1800 Seit dieser Zeit besteht die Ziegelei des Rittergutes, die 1803 verpachtet wird. Ihr Pächter läßt sie aber verfallen.
23.07.1804 Maximiliane Ernestine Sophie von Klengel läßt das Eigentum am Rittergut nach Genehmigung durch den Kurfürsten ihrem Ehemann Rittmeister Hans Moritz Alexander von Klengel überschreiben.
1810 Weil das Leichengewölbe der Herrschaft an der Kirche verfallen ist wird auf dem Dorffriedhof eine Familiengruft gebaut.
1813 Lützschena wird vom Krieg betroffen. In der Mühle wurde durch Kaiser Franz v. Österreich Napoleon Frieden angeboten.
11.04.1813 Von Wiederitzsch kommende russische Truppen (Tataren) werden in Quasnitz einquartiert.
26.04.1813 Russische Infanterie marschiert von Leipzig nach Lützen. Im Haus des Schneidermeisters Oertel werden 21 Mann einquartiert.
16.08.1813 Französische Truppen werden in Quasnitz einquartiert und bleiben hier fast acht Wochen. Während dieser Zeit muß ihnen der Schneidermeister Oertel viel Kleidungsstücke anfertigen.
13.10.1813 Französische Truppen treffen in Lützschena ein und bilden einen Vorposten in Quasnitz. Am folgenden Tage feuerten sie auf berittene preußische Soldaten, die sich daraufhin zurückziehen.
15.10.1813 Abends kommt von den Kaltenborner Bergen das Yorcksche Korps und feuert, auch mit Kanonen, so daß sich die Franzosen bis nach Stahmeln zurückziehen. Das von den Franzosen vorbereitete Abendessen wird von den Preußen verzehrt.
16.10.1813 18 Männer aus Quasnitz werden nach Stahmeln geholt, von wo sie Verwundete der Schlacht bei Möckern mit Schubkarren nach Schkeuditz fahren müssen.
17.10.1813 Sonntags herrscht Waffenruhe
19.10.1813 Russische Verwundete kommen nach Quasnitz. Preußen und Russen (Kosaken) biwakieren hier. Die Frau des Amtsrichters und Fleischers wird dabei so mißhandelt, daß sie an deren Folgen in der Schule stirbt.
21.05.1815 Der Wiener Kongreß unter Vorsitz des österreichischen Außenministers K. von Metternich beschließt eine territoriale Neugliederung Europas nach den Befreiungskriegen. Sachsen, das bis zuletzt an Napoleons Seite kämpfte und zu den Verlierern gehört, muß Gebiet an Preußen abtreten, Schkeuditz kommt zu Preußen. Die Dörfer Hänichen, Quasnitz und Lützschena, welche bisher zum Merseburger Amt Schkeuditz gehörten, werden dem Kreisamt Leipzig zugeordnet. Der spätere Gasthof "Sächsisches Haus" und Kino ist bis 1835 sächsisches Zollhaus.

Artikel 15 der "General-Acte des Wiener Congresses" lautet: Se. Maj. Der König von Sachsen entsagt auf immer für sich und seine Nachkommen und Nachfolger zu Gunsten Sr. Maj. Des Königs von Preußen, allen seinen Rechten und Ansprüche auf die Provinzen, Distrikte, Gebiete oder Teile des Königreichs Sachsen, so wie es hier unten bestimmt worden, und Se. Maj. Der König von Preußen wird diese Länder als souveränes Eigentum besitzen und sie mit seiner Monarchie vereinigen. Die Distrikte und Gebiete, welche abgetreten werden, sollen von dem übrigen Königreiche Sachsen durch eine Linie getrennt werden, die von nun an die Grenze zwischen dem preußischen und sächsischen Gebiete ausmachen wird. ... Von Podelwitz bis Eythra, welche Orte bei Sachsen verbleiben, durchschneidet diese Linie das Merseburger Gebiet, so daß Breitenfeld, Hänichen, Groß- und Klein-Dölzig, Markranstädt und Knaut-Naundorf an Sachsen verbleiben, Modelwitz, Schkeuditz, Klein-Liebenau, Altranstädt, Schkölen und Zietzschen an Preußen kommen."
1816 Der Rittergutsbesitzer Hans Moritz Alexander von Klengel stibt.
1819 Die Hallesche Straße (jetzt B 6 alt) wird neu angelegt. Lützschena hat jetzt 15 Bauernhäuser,einige Häusler und die Mühle. Hopfen wird angebaut.
22.01.1822 Die Witwe des Rittmeisters von Klengel kann wegen "trauriger Zeitverhältnisse" das Gut nicht mehr halten, es kommt zur Zwangsversteigerung. Maximilian Speck erwirbt das Gut Lützschena für 101.570 Taler. Es umfaßt 837 Morgen Ackerland, 7600 Morgen Jagdrevier. Zu Lützschena wurden Freiroda (Preußen), Quasnitz, Hänichen, Radefeld und Kritzschiner Mark (nahe Weißenfels). Er läßt den Schloßpark beginnen.
1823 Die 1717 abgebrannte Kirche in Lützschena, eine Tochterkirche der von Hänichen, wird erneuert, erhält einen neuen Altar. Der alte gotische Altar war bis 1885 an der Außenseite des Ostgiebels angebracht, befindet sich seither im jetzigen Museum für Geschichte der Stadt Leipzig. Die Glocken wurden 1519 und 1574 gegossen. 1855 wurde die Kirche unter Leitung von Oskar Mothes renoviert und gänzlich umgestaltet, der neugotische Turm angebaut. 1894 wird eine neue Orgel eingebaut, der Turm erneuert.
11.4.1823 Der Rat zu Leipzig verordnet, daß das in Lützschena gebraute Doppel- und Einfachbier in die Stadt eingeführt werden darf.
1825 Maximilian Speck wird vom russischen Zaren Alexander I. (1777 - 1825) nach Rußland gerufen, um in Vorträgen über seine Erfahrungen bei der Modernisierung der Landwirtschaft zu berichten und Musterzüchtungen einzurichten. Am 18. August 1825 (alter russischer Kalender) wird er gemäß Ukas des Zaren zum "Kavalier des Ordens des heiligen Wladimir vierter Stufe" ernannt und gelangt damit in den Adelsstand. Kurz vor Erreichen der Krim muß er wegen eines Unfalls die Heimreise antreten.
1825/26 Maximilian Speck von Sternburg läßt die 1800 entstandene Ziegelei des Rittergutes, welche 1803 verpachtet wurde und seither verfiel, am Radefelder Weg erneuern und gleichzeitig vergrößern. Später wird das Gelände dem der Brauerei zugeordnet. 1826 wird von ihm ein Lehrverein zur Ausbildung der Gutsbesitzer und des Gesindes gegründet. An der Landstraße Leipzig-Halle wird der Dorfgasthof erbaut. Er bietet Platz für 300 Personen, ca. 100 Pferde können in der Ausspanne unterkommen.
06.06.1827 Alle Gemeindemitglieder beschließen, ab 1828 die Frühjahrshütung in der Hänicher und Quasnitzer Aue für vorerst 6 Jahre aufzugeben. Als Ersatz soll jeder Schafhalter in das Sommergetreide Klee einzusäen, damit im Folgejahr während der Brache dort geweidet werden kann.
01.02.1829 Auf Erlaß des bayerischen Königs wird der Rittergutsbesitzer Maximilian von Speck in den bayerischen Freiherrenstand erhoben und darf von nun an den erblichen Namenszusatz "von Sternburg" führen, das Wappen der Familie wird in die bayerische Adelsmatrikel eingetragen.
1830 Bis dahin werden die Wirtschaftsgebäude des Gutes zum Teil neu gebaut.
1834 Die Gemäldesammlung des Maximilian Speck wird aus der Stadtwohnung in Leipzig (Specks Hof) in die im gleichen Jahr neu erbaute Villa Martha verlagert.Das zugehörige Grundstück wird ihm von der Gemeinde als Anteil aus der von ihm beantragten Auflösung des Angers übergeben. Lützschena hat jetzt 43 Häuser und 390 Einwohner.
01.01.1835 Der Deutsche Zollverein unter Führung Preußens tritt in Kraft. Studenten und progressive Bürger ziehen aus Leipzig in der Silvesternacht nach Hänichen zum Zollhaus, um diesen Schritt in Richtung zu Deutschlands wirtschaftlicher Einigung zu feiern. Das Zollhaus (Hallesche Straße 229) ist noch vorhanden, steht deshalb unter Denkmalschutz, kann von seinen jetzigen Eigentümern aber nicht erhalten werden und verfällt immer mehr.
09.03.1836 Charlotte Speck von Sternburg geborene Hänel von Cronenthall stirbt und wird in der Grabkapelle im Schloßpark beigesetzt.
1836/37 Es wird am jetzigen Standort eine neue Brauerei und Mälzerei nach den Plänen eines Münchner Braumeisters errichtet und die Gutsbrauerei dorthin verlagert. Ein Eis- und Bierkeller wurde in 20 m Tiefe angelegt. Die Ziegelei wird erweitert und produziert nun jährlich 800.000 bis 900.000 Ziegel.
1837 Zum Gut gehört eine Hopfenanlage, wo an 37 000 Stangen 112.500 Hopfen-pflanzen wachsen.
1839 Eine Überschwemmung ist der Grund, Dämme aufzuschütten und so den Hochwasserschutz zu verbessern. Das Gut, die Pfarrei und andere Grundstücksbesitzer müssen Felder für den Eisenbahnbau von Leipzig nach Halle zur Verfügung stellen.
1840 Die Koppelhutung, wonach die Gemeinden Hänichen und Quasnitz ihre Fluren gegenseitig mit Schafen und Rindern beweiden durften, fällt. Dadurch wurden der Hirt und das Hirtenhaus überflüssig. Eine Volkszählung am 1. Dezember 1840 bringt folgendes Ergebnis:
                    Einwohner    Nachbargüter     Häuser
        Hänichen       303            18            14
        Quasnitz       103            10             5
        Lützschena     475            12            45
        
Es gibt neben dem Gut einen Gasthof, die Brauerei, eine Ziegelei, Schäferei, Mühle, Pfarrei und ein Armenhaus, das Speck von Sternburg bauen ließ. Die Eisenbahnstrecke Leipzig - Halle - Magdeburg wird gebaut, allerdings noch ohne einen Haltepunkt in Lützschena.
1841 Zum Gut Lützschena gehören 1000 Elektoralschafe, eine Herde Brasilianer- und Tibetaner Ziegen, Rindvieh aus Berner Stamm, Romnei-Marsh oder Newleicester Schafe. In der Schule in Hänichen (am Fried-hof) werden von einem Lehrer 155 Kinder unterrichtet, davon 53 aus Hänichen, 17 aus Quasnitz und 85 aus Lützschena. Ein erneutes Hochwasser zwingt zur Verbesserung der Dämme. Der Pfarrer hat der Familie Steiniger der Hänicher Mühle und der Familie Kundt des Gasthofs ein Stück des Pfarrgartens verkauft, damit sie dort Erbbegräbnisse einrichten können.
1842 Das Gut Lützschena bezieht Steinkohle aus England. Die Ablösung durch heimische Braunkohle gelang nicht, da Bohrversuche keine brauchbaren Ergebnisse brachten. Der Hopfenanbau auf dem Gut hat sich deutlich erweitert. An den Stangen befinden sich 135 000 Pflanzen.
1842 Es erscheint
Landwirthschaftliche Beschreibung
des Rittergutes Lützschena bei Leipzig
mit seinen Gewerbszweigen

von

Ritter Max von Speck
Freiherrn von Sternburg

Leipzig
gedruckt bei Karl Tauchnitz
1842

1842 "Dem Rittergutsbesitzer (von Lützschena) waren nur lehns- und zinspflichtig alle Grundstücksbesitzer von Lützschena und ein großer Teil der Stadt Schkeuditz, der Dörfer Wehlitz, Röcken, Großheringen und der benachbarten Kritzschiner Mark. Die Leistungen bestanden in Fronen, Lehnrenten, Erbzins, Katzenzins, Brautschilling, Holzhackergeld und Naturalleistungen, die im Jahre 1842 fast ohne Ausnahme in eine Geldrente verwandelt wurden. Die Untertanen hatten jährlich 70 - 80 Hühner und Gänse abzuliefern, und zwar sogleich in die Herrschaftsküche. Die Fröner mußten noch 1842 das Heu trocknen, von den Mietsleuten jeder 2 Acker Wiese. In Freiroda hatten 22 "Untertanen", die Pferde hielten, je 6 Tage mit 2 Pferden zu pflügen."
1844 Die Schule für Lützschena im heutigen Gebäude An der Schäferei 9 wird gebaut.
1846/47 Am Brauhaus werden drei Lagerkeller (Hahnemannkeller) gebaut. Maximilian Speck von Sternburg gibt sein Handelsgeschäft auf.
1847 Eine Schul- und Dorfbibliothek wird eröffnet.
23.04.1847 Die Renovierungsarbeiten an der Kirche Hänichen beginnen, bei der der Kirchturm eine andere Gestalt erhält, die Turmuhr repariert wird und die größte und kleinste Glocke umgegossen werden. Am 22. Mai ist Richtfest , am 10. Juli ist der Turm mit Schiefer neu gedeckt.
13.02.1847 Im "Leipziger Kreisblatt" wird berichtet, daß nach Stiftung durch Maximilian Speck von Sternburg und unter Mitwirkung von Pfarrer Reichel mit Unterstützung der Staatsregierung in Lützschena eine "Kleinkinder-Bewahranstalt" eröffnet werden soll. 1902 wurde die Einrichtung nach Aufhebung der Stiftung geschlossen.
1848 Aus freiwilligen Beträgen der Jungfrauen und Frauen aus Quasnitz und Hänichen wurde eine Fahne für die hier bestehende Kommunalgarde gestiftet. Nach Überdecken der eingestickten Worte diente sie als Schulfahne. 1924 wurde sie auf dem Schulboden wiedergefunden.
1850 Bau einer neuen Brücke über die Elster. Der alte Bauernsteg hinter der Mühle wird abgerissen.
1851 Gründung der höheren Landwirtschaftsschule durch Maximilian Speck von Sternburg. 1857 sind an ihr 25 Studierende (8 Preußen, 5 Österreicher, 2 Russen, 1 Sachse, übrige aus Anhalt, Oldenburg usw.). Lützschena hat 652 Einwohner, Hänichen 345, Quasnitz 113.
13.08.1855 Grundsteinlegung für den Bau eines neugotischen Turms an der Lützschenaer Schloßkirche, der nach Plänen des Leipziger Architekten Oskar Mothes gebaut wird. Die Glocken werden von G. Jauer in Leipzig neu gegossen.
22.12.1856 Maximilian Speck von Sternburg stirbt. Sein Sohn Alexander übernimmt als Majoratsherr das Gut und die Brauerei.
1858 Die landwirtschaftliche Lehranstalt wird von Dr. Löbe und Leutnant Vogeley geleitet.
1864 Das barocke Schloß Lützschena wird abgerissen und durch einen Neubau in neogotischem Stil ersetzt. Es wird vermutet, daß als Architekt der Leipziger Baurat Oskar Mothes, welcher auch 1855 den Umbau der Schloßkirche leitete, hier wirksam wurde.
                    Einwohner    Nachbargüter     Häuser
        Hänichen       357           18             19
        Quasnitz       123           10              7
        Lützschena     793           18             19
        
Bis 1870 wird von den Lützschenaer Bauern noch die Dreifelderwirtschaft angewandt.
1876/77 Durch den Majoratsherren Alexander Maximilian Speck von Sternburg (1821 - 1911) wird durch Aufstellung eines Dampfkessels und einer Dampfmaschine, Ausbau des Sudhauses, Neubau einer Darre für die Mälzerei und Anlage weiterer Lagerkeller die Brauerei modernisiert.
1877 An der Schäferei 26 wird die neue Schule für Lützschena gebaut. Die alte Schule an der Schäferei 9 wird für 1000 Taler an Familie Mocker verkauft, in deren Besitz sie heute noch ist.
1877-1880 Durch die Brauerei werden mehrere Gaststätten in Leipzig erworben, darunter so namhafte wie der Burgkeller.
1878 Der Besitzer des Gasthofes Modelwitz erwirbt zwecks Erweiterung des Saales vom sächsischen Staat ein Stück Land. Seither wird behauptet, man kann in dem Saal von Preußen nach Sachsen und umgekehrt tanzen.
1882 Die Brauerei wird vom Gut abgetrennt und von James Alexander Speck von Sternburg geleitet.
1985 Louis Meißner aus Hayna meldet sein Gewerbe (Betrieb der Mühle Lützschena, Kleinhandel) an.
1886 In der Schule Hänichen werden 181 Kinder in zwei Klassen unterrichtet. Der Schulrat hält jedoch für jede Klasse 74 Kinder für zulässig. 1988/89 wird ein weiteres Schulgebäude mit einem Schulzimmer und Hilfslehrerwohnung eingerichtet (Elsteraue 10).
1888 Die Villa in der Leipziger Straße links vom Eingang zur Brauerei wird nach Entwürfen des Architekten Zeissig im Tudor-Stil (englische Neogotik) gebaut. In der Brauerei werden ein neuer Dampfkessel sowie eine Eis- und Kühlmaschine aufgestellt.
1889 Der Konsumverein Leipzig-Eutritzsch richtet eine Verkaufsstelle in Quasnitz ein.
1890/91 Ein neues Sudwerk mit Dampfkochung wird in der Brauerei eingerichtet, Gärbottiche und Lagerfässer angeschafft. 1892 Beginn des Flaschenbierversandes durch die Brauerei. Es wird ein Ausstoß von 30.000 Hektolitern Bier erreicht. Der Flaschenbierversand wird 1892 aufgenommen.
1893 Der Gasthof "Heiterer Blick" (heute "Bürgerhaus") wird um einen Saal erweitert und anstelle der Kegelbahn werden Toiletten eingebaut.
1893-1895 In der Brauerei werden Kesselhaus und Schwankhalle erweitert sowie eine Flaschenkellerei eingebaut.
1895 Oskar Zettwitz gründet im Westteil von Hänichen eine Gärtnerei.
1896-1898 Maschinen- und Kühlhaus, Schwankhalle und Kellereien der Brauerei werden erweitert, Großgärgefäße und Großlagerfässer werden aufgestellt, eine oberirdische Abziehhalle angelegt und ein Pichhalle gebaut.
1899 Im Oktober wird die Freiwillige Feuerwehr Lützschena gegründet. Bis 1900 werden in der Brauerei die Büros vergrößert und Sozialräume für das Personal eingerichtet.
1900 Der Arbeiter-Turnverein "Frisch-frei-stark-frei" wird gegründet. Zu ihm gehören einer Turnabteilung und ein Radfahrverein.
1901 Das Wasserkraftwerk an der Elster mit drei Francisturbinen von zusammen 120 PS wird in Betrieb genommen und versorgt die Brauerei und später Teile von Lützschena mit Gleichstrom.
1902/03 Einrichtung einer Betriebskrankenkasse in der Brauerei.
1904 Ein Labor zur Sicherung der Bierqualität wird in der Brauerei eingerichtet.
1905 Von sozialdemokratischen Arbeitern der Gemeinden Hänichen, Lützschena und Quasnitz wird ein ehemaliges Bauerngut am Freirodaer Weg erworben und gelangt in das Eigentum des 1905 gegründeten "Gartenbauverein Quasnitz und Umgebung e.V.". Es wurde 1921/22 und 1925 ausgebaut zum "Kasino", wobei es vor allem den Sozialdemokraten als Vereinslokal, Turnhalle und Übungsort der Sänger diente. 1953 wurde in ihm der Kindergarten der Gemeinde untergebracht. Im Zuge des Neubaus des Kindergartens "Lützschenaer Sternchen" wurde das Gebäude abgerissen.
1905 Die Kirche Hänichen wird nach Plänen von Conrad Heimsdorf außen erneuert, der Saal erweitert und an der Nord- und Südseite Anbauten hinzugefügt und der Turm neu gebaut.Die Straßenbahnlinie von Leipzig wird über die bisherige Endstelle in Wahren nach Lützschena verlängert. Die Endstelle ist an der Einmündung des Radefelder Weges in die Hallesche Straße.
1906 Die Villa Am Brunnen 4, wird gebaut. Seit 1934 ist sie das jetzige Rathaus.
1908 Die Straßenbeleuchtung mittels Petroleumlampen wird in Hänichen und Quasnitz durch Gaslaternen modernisiert. Das Schulgebäude am Wind-mühlenweg, von Maurermeister Hermann Wagner und Zimmermeister Friedrich Refert nach Plänen des Architekten Hermsdorf gebaut, wird fertiggestellt. Es hat 7 Klassenzimmer, 1 Lehrer- und 1 Garderobenzimmer, Wasserleitung, Dampfheizung, Gas und einen Schulgarten. Geplante Erweiterungen, u.a. auch durch Turnhalle und Bad, mußten zurückgestellt werden. 1926 werden 240 Kinder von 7 Lehrern und einer Haushaltlehrerin (im Nebenberuf) unterichtet.
1909 Bruno Peglau gründet die Gartenstadt Quasnitz mbh, welche bis 1911 21 Einfamilienhäuser am Dorettenring bauen läßt. Von der Gartenstadt GmbH werden auf Quasnitzer Flur 135 Häuser gebaut.
1909/10 Neubau des Kesselhauses und der Brunnenanlagen der Brauerei, Einrichtung des großen Pferdestalls in der Schäferei. 1910 wird die Straßenbahnlinie wird von Lützschena bis nach Schkeuditz verlängert.
10.03.1910 Hänichen hat nun einen hauptberuflichen Gemeindevorstand. Im gleichen Jahr ruft der Leipziger Großkaufmann Otto Erler dazu auf, auf Hänicher Flur ein Denkmal für Otto von Bismarck zu errichten.
1910/11 Bau des Anschlußgleises, welches die Brauerei mit dem Güterbahnhof Leipzig-Wahren verbindet.Das jetzige Pfarrhaus am Schloßweg wird gebaut.
1912 Die Geschäftsform der Brauerei wird durch James Alexander Speck von Sternburg in eine GmbH umgewandelt. Die Hainkirche in Hänichen erhält eine neue Orgel. Auf Initiative Otto Nebrigs wird in der Halleschen Straße eine Konsum-Verkaufsstelle gebaut.
01.04.1914 Grundsteinlegung für den Bismarckturm in Hänichen. "Auf Anregung Otto Erlers in Leipzig, der den Baugrund und außerdem große Geldmittel stiftete, gründete sich ein Ausschuß für den Bismarckturmbau. Auf ein Preisausschreiben gingen 88 Entwürfe ein; der des Architekten Hermann Kunze wurde zur Ausführung bestimmt. Zur Kostenbeschaffung wurde im September 1913 ein Verein gegründet unter Vorsitz von Friedr. Gontard - Leutzsch. Am 1. April 1914 wurde der Grundstein gelegt. Von den Feldern der Umgebung wurde Boden zu einer 10 m hohen Platzanlage aufgeschüttet und diese mit Linden bepflanzt. Von der Staatsstraße soll eine 30 m breite Straße zur Anlage führen. Die Ausführung des Turmes in Eisenbeton war der Firma Max Pommer in Leipzig übertragen. Der Turm hat 100 qm Grundfläche und ist 32 m hoch, die Gedächtnishalle 10m. Auf dem Unterschaft des Turmes steht der Mittelschaft mit Treppe, darüber der Oberschaft mit dem Rundgang und dem Feuerbecken. Die Bronzebüste Bismarcks stiftete Dr. Wilmar Schwabe, Leipzig. Sie wurde 1923 eines Tages von ruchlosen Händen von ihrem Postament geworfen, zerbrach aber nicht und wurde tags darauf aus "Gründen der Sicherheit" von der Gemeindeverwaltung einstweilig in Verwahrung genommen." Am 01.04.1915 ist die Einweihung des Bismarckturms. Er wird vom Leipziger Oberbürgermeister Dr. Dittrich in Schutz und Pflege genommen. Im gleichen Jahr wird er von 32 012 Personen besucht.
01.08.1914 Beginn des Ersten Weltkriegs, in dem 29 Lützschenaer fallen. Ihnen ist das später errichtete Denkmal gewidmet.
1916 James Alexander Speck von Sternburg stirbt. Die von ihm hinterlassene Brauerei besitzt einen Wert von 1,2 Mio. Mark.
1918 Kauf von 15 Einfamilienhäusern durch die Brauerei, um sie deren Beamten für Wohnzwecke zur Verfügung zu stellen.
1919 Die Gemeindeverwaltung wird in der "Börse " (Eckhaus Hallesche Straße/An der Schäferei) untergebracht. Es sind zwei Gemeinde- und zwei Polizeibeamte angestellt.
Okt. 1919 Die Familie Speck von Sternburg verpachtet 6,1 ha ihres Geländes, so daß sich die Arbeiter der Brauerei 117 Kleingärten mit einer Größe von 250 bis 550 m² dort einrichten können. Der "Gartenverein am Radefelder Weg" gründet sich.
1920 Der selbständige Gutsbezirk wird mit der Gemeinde vereinigt.
1921 Eine Ortsgruppe der KPD wird in Werndt's Gaststätte "Zur grünen Aue" gegründet. Die Hänicher Mühle wird nach einem Brand wieder aufgebaut.
1921/22 Die Gemeinden Hänichen und Quasnitz lassen 16 Wohnungen bauen.
01.02.1922 Hänichen und Quasnitz vereinigen sich zu "Quasnitz-Hänichen"
1925 Die Staatsstraße wird neu gepflastert. Über der Straße werden 30 elektrische 200-kerzige Lampen angebracht, die zentral durch einen Automaten ein- und ausgeschaltet werden. Eine Benzinmotorspritze wird für die freiwillige Feuerwehr von Hänichen und Quasnitz angeschafft. Die Gemeinde Lützschena hat einen hauptberuflich tätigen Bürgermeister, es sind 2 Gemeinde- und 2 Polizeibeamte angestellt. Lützschena hat jetzt 1019 Einwohner und 89 Wohnhäuser. In seine Schule gehen ca. 170 Kinder, in der eine Lehrerin, drei Lehrer und eine Handarbeitslehrerin tätig sind. In der Schule Hänichen werden 270 Kinder von sieben Lehrern und einer Haushaltlehrerin unterrichtet. Im März verkauft der Müller Mielke die Hänicher Mühle an die "Stern"-Brotfabrik in der Zschortauer Straße in Leipzig-Eutritzsch, heute "Löwenbäcker".
1926 Weil es nicht zum seit 1919 angestrebten Zusammenschluß von Hänichen, Lützschena und Quasnitz kommt, sondern sich nur Hänichen und Quasnitz 1922 zu Quasnitz vereinigen, wird 1926 in Lützschena die "Ostschule" am Bildersaal gebaut.
1927/28 In der Brauerei Neubau des Sudhauses, eines Gärkellers mit Kühlhaus und einer Reparaturwerkstatt mit Lagerböden. Anschluß an die Überland-Zentrale, Ausbau der Kanalisation.
1928/29 Neubau von Wohnhäusern in der Bahnstraße für Beamte und Arbeiter durch die Brauerei, Ausbau von Aufenthaltsräumen.
1929 Bei den Wahlen zum Reichstag erhalten KPD und SPD zusammen 1037 Stimmen, alle anderen Parteien 737 Stimmen.
25.04.1934 Beginn der Bauarbeiten zur Elster-Luppe-Regulierung. Der Reichsarbeitsdienst wird eingesetzt, um den Flußlauf auf 10 km Länge zu begradigen.
1935 Die Gemeindeverwaltung zieht in das Rathaus Am Brunnen 4 um.
1939 Im Sachloßpark wird die Familiengruft der Sternburgs gebaut.
1943 Das frühere "Casino" der Sozialdemokraten am Freirodaer Weg 2-4 ist ein Lager für Zwangsarbeiter.
1944/45 Im Schloßpark wird ein Lazarettzug stationiert.
1945 Nach der Besetzung von Leipzig und Umgebung durch amerikanische Truppen im April bildet sich in der Sternburg-Brauerei ein "Dreierausschuß" aus Arbeitern und Angestellten, der gegenüber der Betriebsleitung die Belegschaft vertritt und auf der Grundlage des alliierten Betriebsrätegesetzes die Betriebsratswahlen im Dezember 1945 vorbereitet, in der ein antifachistischer Betriebsrat gewählt wurde. Am 02.07.1945 Einmarsch von Truppen der Roten Armee. Der Grundbesitz der Familie Sternburg fällt unter die Bodenreform, d.h. er wird aufgeteilt, vorwiegend unter die Neubauern. Später ist er der Grundstock der LPG "Pionier".
1946 Durch die SMAD wird im Mai festgelegt, daß die Brauerei auf die Liste C kommt, damit den alten Eigentümern nicht zurückgegeben und auch nicht dem Volksentscheid unterworfen wird, sondern als sequestrierter Betrieb von der Roten Armee verwaltet wird.
01.10.1946 Die Fachschule für Landwirtschaft wird im Schloß eingerichtet und beginnt mit der Ausbildung von Landwirten.
01.07.1948 Gemäß Befehl Nr. 64 der Sowjetischen Miltäradministratur in Deutschland wird die bis dahin unter sowjetischer Verwaltung stehende Brauerei an die DDR zurückgegeben, wo sie ein Volkseigener Betrieb (VEB) wird. Sie gehört der Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Brauereien mit Sitz in Dresden an. Die Gaststätte "Heiterer Blick" wird von ihren Besitzern Paul und Helmut Schmeißer an die Gemeinde verkauft. Diese läßt im Saal Zwischenwände einbauen, so daß hier ein Kindergarten untergebracht werden kann. Das Haus erhält den Namen der antifaschistischen Widerstandskämpferin Hilde Coppi.
1953 Um die Wohnfläche im Schloß zu vergrößern wird ein weiteres Geschoß aufgesetzt, so daß die markanten Zinnen verschwinden.
1954 Die "Ostschule" am Bildersaal wird verputzt und renoviert.
1958 Die Schule am Windmühlenweg besteht 50 Jahre. 360 Schüler werden von 14 Lehrern in 12 Klassen unterrichtet. 36 % der Absolventen der 8. Klasse besuchen die Mittel- bzw. Oberschule. Im "Hilde-Coppi-Heim" (Elsterberg 7, jetzt Bürgerhaus) sind der Schulhort und die Schulküche untergebracht, befinden sich Räume für den Werkunterricht.Das Schloß wird neu verputzt.
1963 Um die Schäden an den Wohngebäuden in Lützschena zu beheben sind 218.000 Mark Reparaturkosten ermittelt. Da die PGH Bau Schkeuditz aber nur 40.000 Mark laut Plan zur Verfügung hat werden dringend notwendige Arbeiten als sogenannte "Feierabendarbeit", also bezahlte zusätzliche freiwillige Leistungen von den Handwerkern ausgeführt.
1963-1966 Die Kommunale Wohnungsverwaltung Schkeuditz hat in diesem Zeitraum Mieteinnahmen in Höhe von 340.000 Mark in Lützschena erzielt, aber 734.000 Mark für die Wohnungsinstandhaltung ausgegeben, von denen 425.000 Mark aus Einnahmen des staatlichen Zahlenlottos stammen. 18 besonders gefährdete Grundstücke können so "komplex" instandgesetzt werden, so daß 30 Wohnungen erhalten werden können. Dabei werden 69 Küchenherde, 62 Berliner Öfen, 36 Kachelöfen und 6 Badeöfen für die Mieter gekauft.
1964 Bis dahin dient der Saal des Gasthofs "Sächsisches Haus", des ehemaligen Zolleinnehmerhauses in der Halleschen Straße am Ortsausgang, als Kino. An der Hainkirche werden Reparaturen ausgeführt.
1966 Im Frühjahr wird das Haus An der Schäferei 26, in dessen Erdgeschoß sich die Post befindet, verputzt. Der Fußweg davor wird gepflastert. Im Juni brechen die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr das Haus 10 der damaligen Leipziger Straße ab und schaffen am Zugang zum Sportplatz eine Grünanlage. Heute ist die Fläche ein Parkplatz für die Sparkasse und die Besucher des Sportplatzes.
1968 Eine Rentnerbrigade belegt den Fußweg am Quasnitzer Weg. Am 7. November wird ein Erweiterungsbau der Turnhalle fertiggestellt.
1969 Die Straßenbeleuchtung in der Halleschen Straße wird durch das Aufstellen von 18 Peitschenlampen modernisiert. In Lützschena wurden bis dahin 1.200 m² Gehwegplatten verlegt, am Gasthof ein Parkplatz eingerichtet und der Spielplatz des Kindergartens um 700 m² vergrößert.
1968 und 1971 Für die Renovierung des Gasthofs, der jetzt Kulturhaus ist, werden 133.00 Mark zur Verfügung gestellt. Neben der Gaststätte mit ihrer weithin geschätzten Küche (Gaststättenleiter Herr Pfefferkorn) wird der Saal für Veranstaltungen, Tanzabende und Kinovorstellungen genutzt. In der ersten Etage sind Versammlungsräume, das Musikzimmer und später auch die Gemeindebibliothek (ehren-amtlich von Hilde und Kurt Nebrig geführt), die sich vorher in einer Kolonnade im Hof des Kulturhauses befand. Die Kolonnaden werden 1970 renoviert, so daß sie als Unterrichtsräume der Schule zur Verfügung stehen.
1970-72 Renovierung der Schloßkirche in Lützschena.
1972 Im Januar wird der erste Gärungsreaktor in der Brauerei aufgestellt. Durch Um- und Ausbau werden 7 Wohnungen gewonnen. Dabei werden von den Bürgern Eigenleistungen im Wert von 120.000 Mark erbracht. Der Bau von 6 Eigenheimen beginnt. Mit der Renovierung der Hainkirche wird begonnen, die bis 1975 dauert.
23.03.1973 Nach dem Umbau des Geschäfts des Einzelhändlers Böhme zu einer HO-Verkaufsstelle wird diese eröffnet. In ihren Räumen befindet sich heute die Sparkasse.
1975 Zwischen der Gemeinde und der Brauerei wird ein Kommunalvertrag geschlossen, in dessen Ergebnis bis 1978 Straßen instand gesetzt und Wohnungen um- und ausgebaut werden, 22 Eigenheime entstehen und im Herbst 1978 sich noch 14 im Bau befinden.
1977 Der nordwestliche Auwald einschließlich des Schloßparks wird vom Rat des Kreises Leipzig zum Landschaftsschutzgebiet erklärt.
1978 Anläßlich des 700. Jahrestages der ersten urkundlichen Erwähnung von Lützschena finden im Ort Feierlichkeiten statt. Vom 30.09. bis 7.10.1978 wird eine Ausstellung zur Geschichte des Ortes in den Kolonnaden am Gasthof gezeigt. In einem Festumzug am 3. Oktober wird die Entwicklung des Ortes dargestellt. Anschließend tritt auf der Bühne an der Ostschule das sorbische Volkskunstensemble auf, um an die slawischen Wurzeln des Dorfes zu erinnern. Den Abend beschließen die Darbietungen der Hochseilartisten Gebrüder Weisheit und ein Höhenfeuerwerk.
1980 Die an der Straße zwischen Lützschena und Gundorf gelegene Kulke, ein Altwasser der Elster-Luppe-Aue wird vom Rat des Kreises zum Flächennaturdenkmal erklärt.Im Gebäude der Mühle Hänichen werden Ausländer untergebracht, vorwiegend junge Leute aus Mozambique, die bis 1990 auf der Grundlage eines zwischenstaatlichen Vertrages in der Brauerei ausgebildet werden und auch arbeiten.
1984 Die Gemeinde läßt Pflegearbeiten im Park beginnen. Unterstützt wird sie dabei von dem 1985 innerhalb des Kulturbundes der DDR gegründeten Parkbeirat.
08.08.1985 Ein Unwetter mit starkem Hagel richtet im Ort große Schäden an. Das Gebiet von Radefeld bis Lützschena ist besonders betroffen. Die Wassermassen überfluten große Teile der Gartenstadt und ergießen sich über die Leipziger Straße in den südlichen Teil des Ortes. Der Straßenbahn- und Autoverkehr kommen zeitweilig zum Erliegen.
1986 Der Tanzsaal des Gasthofs wird wegen baulicher Mängel (ungenügende Tragfähigkeit des Fußbodens) für Veranstaltungen gesperrt.
1987 Die Brücke am Schloß muß wegen Baufälligkeit abgerissen werden.
1989 Im VEB Brau- und Malzkombinat Sternburg Lützschena produzieren ca. 500 Mitarbeiter jährlich 500 000 Hektoliter Bier, das u.a. nach Ungarn, Bulgarien, Rumänien und in die Sowjetunion exportiert wird. Mit dem Bier werden verschiedene Botschaften der DDR im Ausland beliefert.
1990 Der erste Gemeinderat nach dem Zusammenbruch der DDR wird gewählt. Beim Aufbau der Gemeindeverwaltung unter den neuen Bedingungen wird auf Initiative von Wolf-Dietrich Freiherrn Speck von Sternburg durch die Gemeinde Hurlach in Bayern wirksame Hilfe geleistet.
26.09.1993 Von den ehemaligen Bürgermeistern Herrn Bäsler aus Lützschena und Herrn von Schnurbein aus Hurlach wird für beide Gemeinden ein Partnerschaftsvertrag unterzeichnet.
01.01.1994 Lützschena und Stahmeln schließen sich, nachdem sie zuvor eine Verwaltungsgemeinschaft bildeten, zur Gemeinde Lützschena-Stahmeln zusammen. Es beginnt die gemeinsame Geschichte als politisch selbständige Gemeinde im Kreis Leipziger Land.
22.09.1995 Im Anschluß an eine Lesung der vom Fernsehjournalisten Wilhelm Freiherr Speck von Sternburg verfaßten Biografie "Lion Feuchtwanger. Ein deutsches Schriftstellerleben" findet am Schloßpark eine vom "Kultur-Kreativ Leipzig e.V." initiierte Veranstaltung statt, bei der Musik und Tanz dargeboten werden. Da in den Folgejahren weitere solche Veranstaltungen organisiert werden, wurde mit dem 1. Schloßparkfest ein gute Tradition begründet.
12.11.1996 Durch die Gründung der Maximilian Speck von Sternburg Stiftung wird gesichert, daß der größte Teil der 1945 enteigneten Gemälde-, Grafik- und Büchersammlung entsprechend einem Dauerleihvertrag im Leipziger Museum der bildenden Künste verbleiben kann.
03.10.1998 Das 4. Schloßparkfest findet statt. Die Auwaldstation wird zu ihrer Nutzung an den Zweckverband Flußauenlandschaft Leipzig Nord übergeben. Zwischen der Gemeinde Lützschena-Stahmeln und Wolf-Dietrich Freiherr Speck von Sternburg, der den Schloßpark erwarb, wird eine Vereinbarung unterzeichnet, die die öffentliche Zugänglichkeit des Parks auch künftig sichern soll. Aus der Partnergemeinde Hurlach in Bayern sind der Bürgermeister und Gemeinderäte angereist, um das 5jährige Bestehen der Gemeindepartnerschaft würdig zu begehen.
23.07.1998 Die "Vereinbarung zwischen der Stadt Leipzig und der Gemeinde Lützschena-Stahmeln über die Eingliederung der Gemeinde in die Stadt Leipzig" wird im Rathaus Lützschena von Bürgermeister Detlef Bäsler für Lützschena und Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee für Leipzig unterzeichnet und gesiegelt.
01.01.1999 Lützschena-Stahmeln wird Ortschaft in Leipzig, Stadtbezirk Nordwest. Der 16-köpfige Gemeinderat wird Ortschaftsrat, der Bürgermeister Detlef Bäsler zum Ortsvorsteher
13.06.1999 Im Zuge der Kommunalwahl wird ein neuer neunköpfiger Ortschaftsrat gewählt. Ortsvorsteherin ist Frau Margitta Ziegler.
20.08.2002 Das neue Porsche-Werk im Norden von Lützschena wird in Anwesenheit des Bundeskanzlers Gerhard Schröder und des sächsischen Ministerpräsidenten Georg Milbradt feierlich eingeweiht.
05.09.2003 Mit einer Festversammlung im Schloß beginnen die Feierlichkeiten anläßlich des 725. Jahrestages der urkundlichen Ersterwähnung von Lützschena. Festredner sind der Leipziger Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee, Wolf-Dietrich Speck von Sternburg, der ehemalige Bürgermeister der Partnergemeinde Herr von Schnurbein und die Ortsvorsteherin Frau Ziegler.
06.09.2003 In einem Festumzug werden Episoden aus der Geschichte von Lützschena bildhaft dargestellt. Anschließend findet ein Volksfest auf der Festwiese am Sportplatz statt, dessen Abschluß ein Höhenfeuerwerk bildet.
13.06.2004 Bei der Kommunalwahl wird auch der Ortschaftsrat neu gewählt. Er hat sechs Mitglieder, von denen Frau Margitta Ziegler auch als Ortsvorsteherin wiedergewählt wird.
12.12.2004 Die S-Bahn Leipzig-Halle, welche auch einen Haltepunkt in Lützschena hat, nimmt den fahrplanmäßigen Betrieb auf.


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