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Handwerk in Lützschena und Stahmeln:

Schmiedemeister Frank Schumann
In dritter Generation am Amboss

Wer auf der B6 in Richtung Schkeuditz in der Ortsdurchfahrt Lützschena die Abzweigung Windmühlenweg passiert, sieht rechter Hand das Gebäude der alten Schmiede. Er kann auch das markante Firmenschild des dort schaffenden Handwerksmeisters Frank Schumann lesen und dabei erkennen, mit was sich der Vertreter der heutigen dritten Schmiede-und Metallbauer-Generation in dieser Werkstatt beschäftigt, mit Gittern und Geländern, Toren, Türen und Zäunen. Fachgerecht erfüllt er individuelle Metallarbeiten der unterschiedlichsten Art, er fertigt und repariert auch Roll- und Schiebetore, sowie Torantriebe. Frank Schumann kooperiert außerdem mit der Firma Theisen, Baumaschinen, in der Druckereistraße in Stahmeln und setzt für sie kaputte Baggerschaufeln und anderen Anbaugeräte wieder instand. Im Schaffen des jungen Innungs-Meisters wird der grundlegende Wandel sichtbar, den das Schmiedehandwerk in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat. Den klassischen Schmied von einst gibt es nicht mehr.

Doch einen Vertreter dieser Zunft hat es natürlich in der traditionsreichen Schmiede in Lützschena auch gegeben, ihren Gründer nämlich, Arthur Schumann. Der stand dort 1929 erstmals am Schmiedefeuer und dem Amboss. Sein Metier war noch voll und ganz die Dienstleistung für die Landwirtschaftsbetriebe, die in der Region Ackerbau und Viehzucht betrieben. Er war ein Hufschmied, zu dem die Bauern der Umgebung mit ihren Pferden, dem damals wichtigsten Zugmittel, kamen, zum Beschlagen der Pferdehufe oder der Reparatur der Transportwagen, wenn sie notwendig geworden war. 1981 Übernahm Werner Schumann, Arthurs Sohn und Franks Vater den Handwerksbetrieb. Der konzentrierte sich bereits auf Zulieferungen für die Industrie, leistete allgemeine Schlosser- und Metallarbeiten. Unter anderem auch für den Wohnungs- und Eigenheimbau. Längst hatte die neue Technik, wie Traktor und Lkw, Mähdrescher und Rübenvollernte-Maschine in den landwirtschaftlichen Betrieben Einzug gehalten und die schweren Zugpferde in den Ruhestand versetzt. Die letzten Exemplare dieser Pferderassen bekamen ihr Gnadenbrot. Danach standen meist nur noch Reitpferde in den Ställen der LPG, Basis für die heutigen Reitsportvereine.

Und dann kam 1990 Frank, der Vertreter der dritten Generation. Schon sein Entwicklungsweg ist charakteristisch für die neue Zeit. 1961 wurde Frank in der Schmiede geboren. Er ist ein waschechter Lützschenaer. Nach dem Abschluss der 10-Klassen-Schule, lernte er in der PGH Fahrzeugbau in Lindenau die Grundlagen des Metallhandwerks. 1986 legte Frank Schumann erfolgreich die Meisterprüfung für das Schmiedehandwerk und den Fahrzeugbau ab. Er ruhte sich auf dem Gelernten nicht aus, sondern erschloss sich auch andere Gewerke, beschäftigte sich mit Gittern und kunsthandwerklichen Schmiedearbeiten. So ist es ihm heute möglich, komplette Projekte anzubieten, vom Entwurf und der Projektierung bis zur Endmontage. Seine häufigsten Kunden sind die Erbauer von Eigenheimen und Hauseigentümer, die ihre gebauten Umwelt sicherer und schöner gestaltet haben wollen.

Frank Schumann arbeitet allein, nur manchmal nimmt er einen Helfer bei der Montage in Anspruch. In den begabten Handwerker verbirgt sich ein Designer auf dem Gebiet der Metallgestaltung, und ein Besuch bei ihm lohnt sich, allein schon wegen seiner historischen Schmiede, die der junge Meister hegt und pflegt, dem Goethewort folgend: "Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen. Was man nicht nützt, ist eine schwere Last..."

Gottfried Kormann







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